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Eine Reise ins Mittelalter

Vor fast 1000 Jahren gab es kein Radio und keine Konzerte. Musik hörte man an drei Orten: im Kloster, auf der Burg und auf dem Markt. Überall klang sie ganz anders. Reise hin und hör genau zu!

Wann war das Mittelalter?

Etwa von 500 bis 1500 – also rund 1000 Jahre lang.

Zuerst: dein Code

Leg dir einen Code an, zum Beispiel mia-5b. Dann werden deine Antworten gespeichert. Merk ihn dir gut!

🎧 Kopfhörer auf! Alle Hörbeispiele sind echte Aufnahmen oder Klänge von echten Instrumenten.

Hinweis für die Vertretungslehrkraft

Die Einheit ist so gebaut, dass die Kinder allein damit arbeiten können – Musikkenntnisse sind für die Aufsicht nicht nötig.

  • Alle arbeiten am eigenen iPad mit Kopfhörern.
  • Zu Beginn legt jedes Kind einen Code an (Vorname und Klasse, z. B. mia-5b). Die Antworten werden damit automatisch gespeichert.
  • Jedes Kapitel dauert etwa 20–30 Minuten.
  • Ein Kapitel ist geschafft, wenn im Reiter oben ein grüner Haken erscheint.

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Alle Lösungen lassen sich einblenden. Die Codes zeigen, wer wie weit ist; die Texte der Klasse lassen sich lesen und drucken.

1

Im Kloster: Gregorianischer Choral

etwa 30 Minuten

Mönche und Nonnen singen jeden Tag viele Stunden lang – zum Gebet. Ihre Musik heißt Gregorianischer Choral.

So klingt der Choral

  • einstimmig – alle singen dieselbe Melodie
  • auf Latein
  • ohne Instrumente
  • ohne festen Takt – ruhig und fließend
Hör zu: „Ut queant laxis“Gesang: Membeth (gemeinfrei, Wikimedia Commons)
Neumen in einer Handschrift aus St. Gallen
Neumen: kleine Zeichen über dem Text, um 900 (St. Gallen)
Stiftsbibliothek St. Gallen, Cod. Sang. 359, gemeinfrei

Woher kommt do-re-mi?

Um das Jahr 1025 hatte der Mönch Guido von Arezzo eine geniale Idee: Er benutzte ein Lied, in dem jede Zeile einen Ton höher beginnt. Die Anfangssilben wurden zu Namen für die Töne:

utremifasolla

Später wurde aus „ut“ das „do“, und „si“ (heute oft „ti“) kam dazu. So singen viele noch heute: do – re – mi …

Lies und sing mit! Die Noten sehen aus wie kleine Quadrate. Sie stehen auf vier Linien – auch diese Notenlinien machte Guido bekannt. Die roten Silben sind Guidos Tonnamen.

Übersetzung: „Damit deine Diener die Wunder deiner Taten mit freier Stimme besingen können, nimm die Schuld von ihren Lippen, heiliger Johannes.“
Guido von Arezzo mit Bischof Theodaldus am Monochord
Guido von Arezzo (links) mit seinem Bischof am Monochord
Handschrift, 12. Jh., gemeinfrei
Die Guidonische Hand
Die „Guidonische Hand“: Jedes Fingerglied steht für einen Ton – eine Lernhilfe
gemeinfrei
Hildegard von Bingen empfängt eine Vision
Hildegard von Bingen schreibt ihre Visionen auf
Liber Scivias, 12. Jh., gemeinfrei

Hildegard von Bingen (1098–1179)

Hildegard war Äbtissin, also Leiterin eines Frauenklosters am Rhein. Sie schrieb Bücher über Heilpflanzen und über ihre Visionen – und sie komponierte viele Gesänge. Ihre Melodien springen hoch und schwingen sich weit hinauf.

Hör zu: „O frondens virga“ („O grünender Zweig“)Gesang: Makemi (gemeinfrei, Wikimedia Commons)
2

Auf der Burg: Minnesang

etwa 25 Minuten

Auf den Burgen der Ritter trugen Minnesänger ihre Lieder vor. Sie dichteten den Text und die Melodie selbst und sangen auf Deutsch – in einer alten Form: Mittelhochdeutsch.

Was ist „Minne“?

Minne heißt Liebe. Der Sänger verehrt eine edle Dame – oft eine, die er nie bekommen kann. Minnesänger sangen aber auch über Politik und über die Kreuzzüge ins Heilige Land.

Der berühmteste Minnesänger ist Walther von der Vogelweide (um 1170 – um 1230). Seine Lieder und sein Bild stehen im Codex Manesse, einer riesigen Liederhandschrift aus der Zeit um 1300.

Walther von der Vogelweide im Codex Manesse
Walther von der Vogelweide sitzt nachdenklich auf einem Stein
Codex Manesse, um 1300, gemeinfrei

Das Palästinalied

Walthers „Palästinalied“ erzählt von einer Pilgerreise ins Heilige Land. Es ist eines der wenigen Lieder dieser Zeit, von denen wir auch die Melodie kennen.

Nû alrêrst lebe ich mir werde,
sît mîn sündic ouge siht
daz hêre lant und ouch die erde,
der man sô vil êren giht.
Jetzt erst lebe ich würdig,
seit mein sündiges Auge
das heilige Land sieht und die Erde,
der man so viel Ehre zuspricht.
Hör zu: Walther von der Vogelweide, „Palästinalied“ Gesang: Max Meili, Leitung: Curt Sachs – eine alte Schallplatte aus den 1930er-Jahren (L’Anthologie sonore, gemeinfrei)
3

Auf dem Markt: Spielleute

etwa 30 Minuten

Auf Märkten, Hochzeiten und Festen spielten Spielleute. Sie zogen von Ort zu Ort, machten Musik, jonglierten, erzählten Neuigkeiten.

Man freute sich über sie – und trotzdem galten sie als „unehrlich“. Sie hatten kaum Rechte.

Tanzmusik: die Estampie

Eine Estampie ist ein Tanz aus mehreren Teilen. Jeder Teil wird zweimal gespielt: erst mit einem offenen Schluss (klingt noch nicht fertig), dann mit einem geschlossenen Schluss (klingt fertig).

Der Sänger Frauenlob mit Spielleuten im Codex Manesse
Spielleute mit Fidel, Schalmei, Dudelsack und Trommel
Codex Manesse, um 1300, gemeinfrei

Die Instrumente der Spielleute

Zwei Musiker mit Blasinstrumenten
Musiker mit Blasinstrumenten
Cantigas de Santa Maria, um 1280, gemeinfrei
Zwei Musiker mit Zupfinstrumenten
Musiker mit Zupfinstrumenten (Gittern)
Cantigas de Santa Maria, um 1280, gemeinfrei
Ein Sackpfeifer im Codex Manesse
Ein Sackpfeifer (Dudelsack)
Codex Manesse, um 1300, gemeinfrei

Hör zu: eine echte Estampie

Diese Estampie steht im „Robertsbridge Codex“ aus dem 14. Jahrhundert – eines der ältesten Stücke für ein Tasteninstrument. Hier spielt es eine Orgel.

Estampie „Retrove“Konzertmitschnitt: Metzner, Lizenz CC BY-SA 3.0 (Wikimedia Commons)
4

Spielmanns-Werkstatt

etwa 25 Minuten

Jetzt spielst du selbst! Spielleute improvisierten oft über einem Bordun: einem tiefen Ton, der die ganze Zeit weiterklingt – wie bei der Drehleier oder dem Dudelsack.

Deine Improvisation über dem Bordun

Tipp: Tipp die Töne an. Beginne und ende auf dem goldenen D – dann klingt es fertig. Wiederhole kleine Tonfolgen, wie ein echter Spielmann!

Unsere Estampie

Eine kleine Estampie, eigens für dieses Modul komponiert. Hör auf die offenen und geschlossenen Schlüsse!

5

Hörquiz: Wo sind wir?

etwa 20 Minuten

Zum Schluss reist du noch einmal durch das Mittelalter. Hör genau hin: Wo erklingt diese Musik – im Kloster, auf der Burg oder auf dem Markt?